Der Kreis schließt sich: Zurück in L.A. (Tag 10)

Es ist warm hier in Santa Barbara. Unser Hotel, das Indigo, ist nur wenige Blocks vom Strand entfernt. Ein frischer Morgenkaffee, den Käfer gepackt, das Öl gecheckt (sicher ist sicher!), dann machen wir uns auf zum Meer. Wir gehen auf den Pier der Stearns Wharf, sehen dort den ersten Joggern und Touristen des jungen Tages zu, sprechen mit ein paar Tauchern, die enttäuscht aus dem Wasser unter dem Pier auftauchen. Das Wasser ist zu trüb, zu aufgewühlt. Keine Sicht. Dafür ist der Tag über Wasser umso klarer. Mit offenem Dach fahren wir über Nebenstraßen bis Ventura und weiter Richtung Los Angeles. Zwischen Ventura und Malibu finden wir die Topanga Canyon Road. Die Straße windet sich traumhaft durch das Tal zwischen zwei Bergzügen. Am Straßenrand immer wieder Läden und Häuser, deren Äußeres darauf schließen lässt, dass der Canyon fest in Hippie-Hand ist. Das Ende der Straße endet direkt am Pazifik und am Highway 1. Wir biegen links ab, kurz vor dem Malibu Pier verlassen wir die Küste und fahren Richtung Flughafen. Das Thermometer steht inzwischen auf gut 30 Grad. Heute ist der letzte Tag im Käfer. Wir müssen kurz zum Flughafen und einen Mietwagen holen, dann geht es zu Rinkens, der Spedition, die unseren silbernen 1303er hoffentlich sicher nach Deutschland bringen wird. Bei einem Autovermieter gleich neben dem Flughafengelände von LAX stelle ich mich in die lange Schlange der wartenden Touristen. Erst jetzt realisiere ich, dass ich gerade zum letzten Mal auf amerikanischem Boden aus dem Käfer gestiegen bin. Felix wartet geduldig auf mich. Es dauert über eine Stunde, bis ich mit meinem kleinen Kia das Gelände der Vermietung verlasse. Felix hat die Koordinaten von Rinkens ins Navi eingegeben und ich folge ihm. Ich sehen den Käfer zum ersten Mal länger von hinten – in voller Aktion. Er sieht wirklich gut aus. Der silberne Lack glänzt in der Sonne. Ich kann das unverwechselbare Motorengeräusch bis in meinen Mietwagen hören. Bei geschlossenem Fenster, bei 65 mph. Die Klimaanlage bläst. Sie ist das Einzige, was ich gerade wirklich genieße. Ansonsten ist mir der moderne Wagen zu neu, hat zu viel Plastik, zu viele Knöpfe, zu viel Elektrik.

Nach 45 Minuten kommen wir in einem Industriegebiet an. Das Gebäude der Spedition ist unübersehbar groß, ebenso wie der große Parkplatz daneben. Zahlreiche alte VW-Busse, alte amerikanische Pick-ups und Klassiker aus den 60ern und 70ern stehen Spalier. Sie warten wohl alle auf das Boot, das sie zu ihren neuen Besitzern in Übersee bringen wird. Am Empfang erhalten wir die ersten Anweisungen. Wir haben es gerade so geschafft: Fünf Minuten später und wir wären zu spät gewesen, die Spedition schließt um 17 Uhr. Felix fährt den Käfer auf den Hof, übergibt den Schlüssel einem Angestellten. Das war’s dann wohl. Fast. Bei Ray, ein Deutscher, der seit zehn Jahren in L.A. lebt, kümmert sich Felix um den letzten Papierkram, wir fachsimpeln ein wenig über VWs und Autos generell, erzählen von unserem Trip. Ray ist super aufgeschlossen und interessiert, bietet uns nach getaner und überschaulicher Rest-Bürokratie sogar an, die heiligen Hallen von Rinkens zu besichtigen und Fotos zu machen. Standen draußen noch die etwas älteren Fahrzeuge, reihen sich in der riesigen Halle die wertvolleren Versandstücke. Porsches aller Baujahre, Hot Rods, neue Mustangs und Challenger, ein Defender, einige teure SUVs amerikanischer und deutscher Marken und immer noch mehr wertvolle Sportwagen aus allen Jahrzenten seit Erfindung des Ottomotors. Eindrucksvoll. All diese Autos werden bald in Europa herumfahren. Vier bis sechs Wochen soll es dauern, bis der Käfer in Deutschland landet, kurz darauf wird er per LKW in den Süden der Republik gebracht. Nach der Tour über den gigantischen Parkplatz ist es Zeit, dass wir uns in den kleinen Kia setzen und dem Käfer noch einmal zuwinken. Der Kreis hat sich nun geschlossen. Vor zehn Tagen begann unser Abenteuer hier in Los Angeles. Jetzt endet es hier auch wieder. Wir sind ein wenig traurig, dass es vorbei ist. Auf der anderen Seite haben wir so viele Dinge erlebt, interessante Menschen getroffen und massenweise beeindruckende Fahrzeuge gesehen, dass uns die letzten Tage wie Wochen vorkommen. Dieser Roadtrip, der Ende 2013 in unseren Köpfen entstand, war der wohl erlebnisreichste Trip, den wir bisher gemacht haben. Und irgendwie geht er noch weiter: Wenn der Käfer in Deutschland ankommt, wird Felix eine Willkommensparty geben. Und ich sichte die unzähligen Fotos und Videos und werde den Artikel schreiben, der dann im Sommer in RoadTrip – Ziele am Wegesrand erscheinen wird. Also: Lust auf mehr? Das Magazin gibt es kostenlos auf iTunes für das iPad. Alles haben wir in diesem Blog sicher nicht verraten. Im Heft gibt es dann noch die ein oder andere Überraschung – und alle Informationen für diejenigen, die selbst mit dem Gedanken spielen, einmal ein Auto aus Amerika “zu holen”…

Santa Barbara - Los Angeles

Fotos: © RoadTrip/Wolfgang Greiner

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