Schweden – abgesoffen

Heute sind wir abgesoffen. Nach dem ersten Hagelsturm, der mich beim Zeltaufbau etwas in meinem Tatendrang behinderte, war die Nacht zunächst sternenklar und trocken. Nach der langen Fahrt war ich daher über fast 11 Stunden ruhigen Schlaf sehr dankbar, mein Hund Rocket gewöhnte sich schnell an das Zelt und gab ebenfalls Ruhe. Das morgendlich Joggen/Gassigehen entlang des Wassers war traumhaft, immer mit Blick auf die Schäreninseln, die vor der Küste liegen. Von sandigen Badestränden durch Wälder mit Blaubeerbüschen, entlang der Straße und über felsige Ufer ging es so zügig und genussvoll voran. Schweden hat diesbezüglich in meinen Augen mit die schönsten Küsten. Die Schären, die Wälder und die roten Häuser bedienen nicht nur die bekannten Klischees, sie sind auch noch wunderbar anzusehen.

Zurück am Zelt gab es erst einmal einen Kaffee und Obst, für Rocket Wasser und Hundefutter. Dann schnell geduscht, wobei in der Dusche auch gleich eine Sauna untergebracht war (in den übrigen Duschen des Campingplatzes nicht). Drei schwedische Kronen für drei Minuten Warmwasser – da das Kleingeld im Zelt lag, wurde kalt geduscht. Hätte ich gewusst, dass kurz darauf der Himmel über Loftahammar zusammenbricht, wäre eine warme Dusche doch nicht so schlecht gewesen.

Gegen Mittag ist es dann so weit. Von einem Moment auf den anderen macht es zu, der Regen kommt wie ein Schwall und Blitz und Donner würzen das Ganze noch dazu, der Zeitabstand zwischen ihnen lässt befürchten, dass das Gewitter direkt über dem Campingplatz steht. Gewitter, Hund und Zelt ist keine gute Kombination, denn in den nur von dünnem Stoff begrenzten vier Wänden ist ein Hund mit Panikattacke keine gute Voraussetzung dafür, sich in eine dicke Decke einzukuscheln und das Unwetter auszusitzen. Es dauert nicht lange und das Wasser kommt ins Zelt, erst nur Tropfen, dann ein kontinuierlicher kleiner Bach. Die nächsten 30 Minuten sind nicht unstressig: Hund beruhigen und Wasser schöpfen, schlussendlich stecke ich ihn in den Defender und kümmere mich um lose Zeltschnüre und das Wasser, das sich definitiv auf der falschen Seite der Plane befindet.

Als das Wetter wieder besser wurde – und das ebenso plötzlich wie vorher das Gewitter über uns hereinbrach – galt, es die Schäden zu beheben. Mein Navi zeigte mir, dass sich der nächste Baumarkt in dem ca. 50 km entfernten Västervik befindet, also los und eine Plane, Schnüre und Haken kaufen. Da ich sowieso Lebensmittel kaufen wollte, kein Problem.

Ein Baumarkt ist in Schweden wirklich ein Baumarkt und kein Gemischtwarenhandel wie bei uns zuhause. Der BYGGmax in Västervik führt nur das, was der ernstgemeinte Handwerker benötigt. Campingzubehör oder Heimwerkerschnickschnack? Weit gefehlt. Hier dreht es sich ausschließlich um Profimaterial. Auch das Nachfragen erübrigte sich beim Anblick der Regale, also raus aus dem Laden und erst einmal orientieren. Ein riesiger ICA-Supermarkt war die nächste Hoffnung. Doch außer Lebensmitteln, Haushaltswaren, Elektronik und etwas Bekleidung war hier auch nichts zu finden. Gegenüber im Industriegebiet ein Laden namens Jula. Von außen kein Anzeichen dafür, was innen zu finden sein könnte. Also ausprobieren… und: Jula ist ab sofort mein neuer schwedischer Lieblingsladen! Alles, was das Herz begeht, vor allem das eines beim Camping abgesoffenen Hundebesitzers. Schnell eine Plane, Expander in unterschiedlichsten Längen und Stärken, Haken und auch noch einen Hundespiralanker gekauft. Zufrieden machte ich mich wieder auf den Heimweg, wieder durch die wunderbaren Wälder, entlang am Wasser, und das Ganze im Sonnenschein.

Campingidylle an der schwedischen Ostküste – zur Abwechslung bei Sonne
Campingidylle an der schwedischen Ostküste – zur Abwechslung bei Sonne

Inzwischen sitze ich wieder vor meinem Zelt. Es ist kühl, aber die Sonne scheint. Rocket hängt an dem Spiralanker und ich habe die Hände frei, um zu schreiben. Sein Lieblingsplatz im Gras und seine Wasserschüssel kann er bequem erreichen und ich muss nicht großartig aufpassen. Außerdem möchte ich im Netz ein bisschen recherchieren, was die nächsten Tage bringen können. Denn heute war der Tag Dank Unwetter und Shoppingfahrt eher ein “Ruhetag”. Die Plane liegt übrigens im Defender. Ich habe beschlossen, sie erst übers Zelt zu werfen, wenn es wieder unwettert. Ich befeuere jetzt erst einmal den Kocher. Insgeheim hoffe ich, dass der schwedische Himmel nun ruhig bleibt. Aber wer weiß, der Abend ist noch lang…

Zeltkulinarik
Zeltkulinarik

 

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