Schweden – Heiter bis wolkig… Nordosten oder Westen?

Nachdem das Wetter in Loftahammar endlich ein Einsehen hatte, geht es nach den zwei folgenden, sonnigen Tagen im Tättö Havsbad Campingplatz und genussvollen Spaziergängen am Wasser und durch die Wälder weiter Richtung Norden.

Kleine Abstecher, immer wenn ein entsprechendes Schild auf eine Sehenswürdigkeit hinweist, verlangsamen zwar das generelle Vorankommen, versüßen aber das Erlebnis. So zum Beispiel die Schlossruine in Stegeborg, die etwa 20 Kilometer abseits der Hauptstraße auf einer kleinen Insel im Wasser steht und gar nicht so ruinös aussieht. Umgeben von traumhaft gepflegten Gütern und einer alten Kirche, ist der Abstecher zu diesem Schloss ein echter Glücksgriff. In den Feldern ringsum kämpfte 1598 der König von Polen und Schweden erfolgreich gegen den rebellierenden Herzog Karl, der nicht viel später aber dennoch die Herrschaft über Schweden übernahm. Heute ist von der Schlacht natürlich nichts mehr zu sehen, der geschichtsträchtige Ort und die ihn umgebenden Felder strahlen Frieden und Ruhe aus, fernab von Verkehr und Hektik. Direkt am Wasser sitzend genehmige ich mir einen Kaffee im Restaurang Egendom. Das gleichnamige Hotel gehört zur königlichen Schlossanlage und bietet acht Zimmer im edlen Countrystyle-Stil. Nichts für uns, da wir erstens lieber im Zelt schlafen (noch!) und zweitens heute noch nach Stockholm wollen, wo wir einen alten Freund aus Deutschland treffen, der seit Jahren in der schwedischen Metropole eine eigene Agentur führt.

Wir verlassen Stegeborg und fahren zurück über die Felder zur E22, die uns direkt in die Stadt und den abendlichen Verkehr führt. Die wenigen Tage auf dem Land haben mich verwöhnt, der Stau stört meinen Entspannungsprozess, aber das Navi zeigt mir keine Umfahrung. Also aussitzen. Was ich vorher nicht wusste: In Stockholm ist Kulturfestival, dazu liegt das Büro meines Bekannten auch noch am Rand der Fußgängerzone in der Innenstadt. Nie würde ich meinen Defender tauschen wollen, jetzt aber wäre ein Smart das geeignetere Fahrzeug. Da meine begrenzten Schwedischkenntnisse nicht für die langen Erklärungen auf den Parkschildern ausreichen, schließe ich bei dem einzigen freien Platz in Schlagweite der gesuchten Adresse aus den Zahlen und Wörtern, dass ich hier stehenbleiben darf, aber ein rotes Ticket ziehen müsste. Wieder einmal fehlt mir das Kleingeld für den Automaten, also ignorieren. Später erfahre ich, dass ich ein Parkticket nicht unbedingt zahlen muss, da diese Art Vergehen nicht bis nach Deutschland verfolgt wird. Ein ungutes Gefühl habe ich dennoch, denn auf meinen Reisen versuche ich immer, mich an die Regeln zu halten. Aber Ausnahmen bestätigen nun mal die Regel…

Das Kulturfest in Stockholm lockt vom 13.-18. August 2013 mit einem vielfältigen kulinarischen und künstlerischen Programm. Insgesamt 600 Aktionen warten sechs Tage lang auf die vielen Besucher, die jetzt hier in der Innenstadt die Gassen bevölkern. Mich persönlich überfordert die Masse an Menschen, das Durcheinander an Stimmen, Geräuschen und Fußgängern. Ich treffe mich wie verabredet mit meinem Bekannten Matze und wir geben uns Updates über die vergangenen Monate seit unserem letzten Treffen. Ein kurzer Abstecher in zwei Outdoorshops ergänzt meine Reiseausrüstung um einen großen Drybag, den ich aufs Dach schnüren möchte, um im Defender etwas Platz zu schaffen, und ein paar zusätzliche Butangaskartuschen für meinen zuverlässigen Primus-Doppelkocher. Matze drückt mir noch ein paar Tüten Outdoorkaffee in die Hand und gibt mir einen Tipp für die Weiterfahrt. Ich will nach Norden, er empfiehlt die Fahrt entlang der Küste. Sein Angebot, eine Nacht bei ihm und seiner Familie zu verbringen, schlage ich dankbar aus, da ich weiter möchte. Es wird langsam dunkel und wir verabschieden uns.

Die Fahrt aus der Stadt verläuft problemlos – die meisten Leute sitzen jetzt schon bei ihrem wohlverdienten Freitagabendbier oder löffeln schwedische Köstlichkeiten in sich hinein. Ich fahre die E18 nach Norden Richtung Norrtälje. Mit der Sonne verschwindet leider auch das schöne Wetter. Die ersten Tropfen treffen die Windschutzscheibe. Es werden mehr. Ich fahre den nächsten Rastplatz an und checke meine WetterApp. Es soll hier schlecht werden, an der Westküste ist dagegen Sonnenschein angesagt. Kurz kämpfe ich mit mir, ob ich der App Glauben schenken darf. Nach Norden? Oder nach Westen? Ich entschließe mich für Westen. Ich fahre die letzten 30 Kilometer wieder zurück und dann weiter auf der E18 Richtung Köping. Das Wetter wird jedoch schlechter, nicht besser. Wieder umdrehen? Nein. Ich beschließe, die Nacht durchzufahren, bis ich den Regen hinter mir lasse…

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