Schweden – Strömstad

Die ganze Nacht fuhr ich vor dem Regen her, bis ich ihn endlich abhängen konnte. Auf Höhe von Säffle wurde es endlich wieder trocken. Hier kannte ich einen Campingplatz, der mir auf meinen Reisen nach Norden schon mehrfach Unterschlupf gewährte und wunderschön und idyllisch am felsigen Ufer des Vänernsees lag. Aber irgendwie war ich noch nicht weit genug gekommen. Strömstad stand auf einem Wegweiser und Erinnerungen wurden wach, wodurch mir die Entscheidung weiter zufahren leicht gemacht wurde. Der kleine Hafenort liegt in der Provinz Västra Götalands län und fast an der norwegischen Grenze. Ausreichend Grund dafür, dass hier die Norweger jeden Sommer in Scharen einfallen, um die – für ihre Verhältnisse – preiswerten Genussmittel a) direkt vor Ort in Massen zu konsumieren und b) in ebenso großen Mengen einzukaufen und zurück über die Grenze nach Norwegen zu schaffen. Dies veranlasste die betriebsamen Einwohner Strömstads dazu, direkt im Ort sowie etwa 20 Kilometer entfernt Richtung Grenze zwei ansehnliche Einkaufszentren zu errichten, die entsprechend Umsatz machen dürften. Die Shoppingmeile weiter außerhalb, Nordby, hat die Ausmaße einer amerikanischen Mall, die im Ort ist eher klein und übersichtlich.

Da ich an einem Samstag in Strömstad angekommen bin, konnte ich mich persönlich vom norwegischen Besucherstrom überzeugen. Der Versuch, ein mir wohlverdientes Feierabendbier für den Abend im Systembolaget  – der einzigen und staatlichen Verkaufsstelle (außer Gastrobetrieben) in Schweden für ernstzunehmenden Alkohol – zu besorgen, scheiterte schon an der Einfahrt auf den Parkplatz. Macht nichts, ab in den nächsten, etwas weiter weg gelegenen Supermarkt und ein Lättöl gekauft, also ein “leichtes” Bier mit maximal 3,5 % Alkohol. Sogar von den großen Brauereien gibt es das hier. Dann würden heute eben mindestens zwei davon den Zweck erfüllen müssen.

Da das Wetter an der Westküste mit blauem Himmel und etwa 25° C geradezu dazu aufforderte, Zeit draußen zu verbringen, suchte ich mir schnell einen Campingplatz, mietete kurzerhand eine kleine, spartanische Hütte, um kein Zelt aufbauen zu müssen, und machte mich mit Rocket umgehend auf den Weg ans Wasser. Der Skagerrag hatte Wellen und hier am Ufer war es windig, aber die Schären blitzten im Sonnenlicht und in der Entfernung konnte ich die Kosterinseln sehen, Teil des ersten marinen Nationalparks Schwedens. Die autofreie Südinsel hatte ich vor wenigen Jahren besucht und dort ein paar wunderbare Tage verbracht. Wenn das Wetter am Sonntag schön ist, beschloss ich, nehme ich die Fähre und fahre nochmal hin. Ich bummelte weiter an der Küste entlang, kam irgendwann nicht mehr weiter, ging zurück und in den Ort. Der Touristenstrom schlängelte sich immer noch über die wenigen Straßen Strömstads und ich freute mich langsam auf mein Lättöl. Also zurück zum Seläter Campingplatz und ab auf die kleine Veranda meiner Hütte. Kaum hatte ich das Bier in der Hand, holte mich das mühsam abgehängte Wetter ein. Nicht ganz – der Wind kam deutlich von der See, also aus Westen, und in Nullkommanichts machte es zu und goss wieder wie aus Eimern. Ich war froh über meine Entscheidung, die Hütte gemietet zu haben. Diese in Schweden an jedem Eck angebotenen “Stugor” bieten Basiskomfort, meist mit Stockbetten, Stuhl, Tisch, Schrank, Kochmöglichkeit. Meine Stuga hatte sogar noch ein kleines Bad, also eigentlich kein Grund mehr heute, noch einmal in den Regen hinaus zu gehen. Wenn da nicht mein treuer Vierbeiner wäre. Als wir nach dem in der kleinen Küche zubereiteten Abendessen hinausgingen, stand bereits alles unter Wasser. Die Bäume bogen sich beängstigend in der starken Seebrise, Blätter und ganze Äste prasselten herunter und ich checkte kurz am Defender, ob wirklich alles zu war. Am wenigstens könnte ich jetzt noch brauchen, dass mir das Auto vollläuft.

Tja, kein Glück mit dem schwedischen Wetter dieses Mal. Dafür ein festes Dach überm Kopf und eine eigene, heiße Dusche. Und bis Montag bleibe ich auf jeden Fall in Strömstad, dann sehen wir mal, wo uns die Reise noch hinführt. Am besten in die Sonne. Und wenn ich dafür bis Italien fahren muss!

Schreibe einen Kommentar