Schwedische Donuts

Es gibt zwei Dinge, die mir bisher (unter anderem) über die Schweden klar waren: Sie sind stille Menschen, lieben die Ruhe und die Natur. Und sie essen gerne Deftiges wie Fisch, Elchfleisch oder Köttbullar. Doch dann kamen die Donuts.

Szenario 1
Es ist Nacht. Alles ist ruhig, nur die Bäume rauschen im Wind. Plötzlich schwillt hinter dem friedlichen Rauschen ein grummelndes Geräusch an, das bald zu einem giftigen Brüllen wird. Ein Motor. Doch wo, warum, wer und was soll das überhaupt? Reifen quietschen, der Motor wird hart an der Drehzahlgrenze gequält. Wie ein Schrei geht der nächtliche Soundtrack durch Mark und Bein. Und dann ist es vorbei. Ebenso schnell, wie es angefangen hatte. Am Morgen zeigt sich, was des Nachts hier getrieben wurde: Schwarzer Gummi hat sich kreisrund in den grauen Asphalt gebrannt. In den nächsten Tagen sollte ich aufgrund dieses Ereignisses sensibler sein für die Reifenmale auf den schwedischen Straßen. Und praktisch überall sind sie zu finden. Auf Parkplätzen, Landstraßen, in kleinen Siedlungen und sogar in Autobahnauffahrten. Donuts nennt man sie in den USA. Sport gelangweilter Jugendlicher, die nachts ihre Energie loswerden wollen und so ein Zeichen setzen? Wer weiß. Mit der Stille hat es auf jeden Fall nichts zu tun.

Szenario 2
Hunger. Ein bekanntes Gefühl, vor allem auf Roadtrips. Man verbrennt viel zu wenig Kalorien hinter dem Steuer und trotzdem grummelt der Magen. Ein bisschen wie beim Fernsehen. Untätig dasitzen und dennoch ein Snack nach dem anderen. Schnell soll es gehen, wenn man von A nach B fährt, ja keine Zeit verlieren. So oder so ähnlich philosophierte ich hinter dem Steuer mit mir selbst, als ich merkte, dass das Frühstück schon wieder viel zu lange her war. Fest hatte ich mir vorgenommen, gesund zu leben, aber das kleine Zeichen, das auf dem Rastplatzschild klebte, ließ mich die guten Vorsätze vergessen: Dunkin Donuts. Sollte ich wirklich…? Eigentlich wollte ich zusätzlich strikt um alle Franchise-Läden einen weiten Bogen machen, vor allem um amerikanische. Dafür bin ich nicht nach Schweden gekommen. Was solls? Dunkin Donuts sind eine Sünde wert. Eine. Aber was für eine! Blinker raus und schon stand ich vor der verlockenden Auslage. Alle waren sie da. Blueberry Crunch, Lemon Frosted, Maple, Sprinkles, Vanilla, dazu Muffins und Munchkins. Nur: Wie hat es Dunkin Donuts bis nach Schweden geschafft? Führt man sich die Liebe der Schweden zu ihren Kanelbullars (Zimtschnecken) vor Augen, kann man es wohl ein bisschen verstehen. Obwohl ich letztere ehrlich bevorzuge…

Und was habe ich daraus gelernt? Die Schweden lieben Donuts!

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