Zum Lake Tahoe (Tag 6)

Am Morgen stolpern wir unausgeschlafen durch das Casino in den Frühstücksraum der Tonopah Station. Ein paar Unverbesserliche sitzen bereits um 8 Uhr wieder (oder noch?) an den Spielautomaten. Nach Eiern, Bacon und Hash Browns streifen wir noch durch die unterschiedlichen Geschosse des Hotels und sehen uns diverse Museumsstücke an. Dann ist es schon wieder Zeit zu gehen. Der Käfer ist gepackt, Rückwärtsgang und… Stopp! Der SUV der lokalen Highway Patrol hält uns noch auf dem Parkplatz an. Was haben wir falsch gemacht? Der Officer blickt von oben herab in unser Auto. Und dann kommt nur: “Nice car!”. Alles richtig gemacht. Wir nutzen den Moment für eine kurze Fotosession, plaudern mit dem netten Polizisten, der uns dann mit einem “Have a safe drive” wieder auf die Reise schickt. Doch schon ums nächste Eck halten wir wieder an. Vor einer heruntergekommenen Garage steht ein Käfer-Chassis aus den 1960ern. Da wir diese Motive suchen und sammeln, halten wir wieder an und lassen die Kamera klicken. Ein Auto fährt vor, ein etwas beleibterer Herr steigt aus und fragt, ob er uns helfen kann. Die verlassen wirkende Werkstatt gehört Bill Tucker und wir kommen ins Gespräch. Erst geht es um Käfer – das Gerippe vor seinem Laden will er so bald wie möglich restaurieren – dann um amerikanische Klassiker. Mit jedem gesprochenen Satz gewinnen wir mehr von Bills Vertrauen, bis er uns schließlich in seine Werkstatt einlädt. Unter Schutzhüllen verbergen sich amerikanische Klassiker aus den 60er und 70er Jahren. Soweit wir erkennen können in Topzustand, laut Bill teilweise wie neu, mit weniger als 20.000 Meilen auf der Uhr. Wir könnten hier noch ewig stöbern und fachsimpeln, doch als auch noch eine Bekannte von Bill in den Laden kommt und das Gespräch langsam zu große thematische Kreise zieht, verabschieden wir uns und springen wieder in den Käfer. Immerhin wollen wir heute den zweiten Wüstenteil schaffen und den Lake Tahoe erreichen.

Die Fahrt durch die Wüste verläuft reibungslos. Die Landschaft wechstelt ständig, von öde und sandig hin zur Steppe, dann langsam hügelig und immer grüner. Schließlich erreichen wir die ersten Siedlungen vor der Hauptstadt von Nevada, Carson City. Die Zivilisation hat uns wieder! Die ersten Bäume. Farmland. Rinderherden. Schafherden. Und immer mehr Verkehr. Die Temperatur fällt rapide, am Horizont sind hohe, schneebedeckte Berge zu sehen. Als wir Carson City erreichen, hat es angenehme 18 Grad. Wir machen Pause, sehen uns das alte Zentrum der Stadt an mit seinen historischen Gebäuden, Casinos, Bars, Läden und Restaurants.

Endspurt. Der Käfer muss sich jetzt anstrengen, denn die letzten Meilen führen uns in die Berge hinauf. Es wird kühler, sogar kalt, denn wir erreichen die Schneegrenze. Tapfer schraubt sich unser Auto nach oben, dann geht es wieder bergab und der See liegt endlich vor uns. Die Sonne des späten Nachmittags taucht den Lake Tahoe in traumhaftes Licht und wieder machen sich Glückshormone in uns breit. Wir fahren weiter Richtung Stateline, die letzten Casinos stehen Spalier, dann haben wir die Grenze nach Kalifornien erreicht und verlassen den Spielerstaat. Wilkommen in Kalifornien. Direkt an der unsichtbaren Grenze steht unser Hotel für die Nacht, das Basecamp. Wir checken ein, gehen hinunter zum See, genießen den Sonnenuntergang am sandigen Strand und sind zufrieden. Und müde. Und hungrig. Ein letzter Gang zurück nach Nevada führt uns ins Hard Rock Café im Harveys Casino. Viel einfacher, als wieder mit dem Auto zu fahren, um etwas anderes zu finden. Und der Käfer hat sich die Pause verdient. Es ist nicht viel los im Casino, dennoch erschlägt uns das Klingeln der Automaten. Essen, trinken und raus. Wir fallen in unsere Basecamp-Betten. Morgen geht’s nach Sonoma und dann zum Pazifik. Ein aufregender Tag erwartet uns.

Tonopah - Lake Tahoe

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